
Du schaust auf deine Füße und fragst dich, seit wann dein großer Zeh plötzlich seine eigene Richtung eingeschlagen hat? Willkommen beim Hallux valgus – besser bekannt als Ballenzeh. Was zunächst wie ein kosmetisches Problem aussieht, kann im Alltag zu Druckschmerzen, Schwierigkeiten beim Schuhkauf und funktionellen Einschränkungen führen. Doch wie entsteht diese Fehlstellung überhaupt? Und warum entwickeln manche Menschen einen Hallux valgus, während andere ein Leben lang beschwerdefrei bleiben?
Mehr als nur ein schiefer Zeh
Beim Hallux valgus weicht der große Zeh nach außen in Richtung der kleineren Zehen ab, während sich der erste Mittelfußknochen nach innen verschiebt. Dadurch entsteht die typische Vorwölbung am Großzehengrundgelenk – der sogenannte Ballen. Diese Veränderung ist nicht nur sichtbar, sondern kann je nach Ausprägung auch Schmerzen und Einschränkungen verursachen.
Interessant ist jedoch: Nicht jede sichtbare Fehlstellung führt automatisch zu Beschwerden. Obwohl weltweit etwa jede fünfte Person betroffen ist, benötigt nur ein kleiner Teil tatsächlich eine medizinische Behandlung. Ähnlich wie bei anderen anatomischen Veränderungen gilt auch hier: Struktur und Beschwerden sind nicht zwangsläufig gleichzusetzen.
Warum entsteht ein Hallux valgus?
Eine einzelne Ursache gibt es nicht. Vielmehr entsteht die Fehlstellung durch das Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Genetische Veranlagung spielt ebenso eine Rolle wie die individuelle Fußmechanik. Auch bestimmte Fußformen, muskuläre Dysbalancen oder Begleiterkrankungen können die Entwicklung begünstigen.
Zusätzlich beeinflussen äußere Faktoren das Risiko. Vor allem dauerhaft enge oder spitz zulaufende Schuhe sowie hohe Absätze können die Fehlstellung fördern oder verstärken. Ebenso gelten Plattfüße und eine erhöhte Gelenkbeweglichkeit als wichtige Risikofaktoren.
Was passiert im Fuß?
Entgegen der weit verbreiteten Annahme betrifft der Hallux valgus nicht ausschließlich den großen Zeh. Tatsächlich verändert sich die Mechanik des gesamten ersten Strahls. Knochen, Gelenkkapseln, Bänder und Muskulatur geraten zunehmend aus ihrem Gleichgewicht. Dadurch verändert sich die Zugrichtung wichtiger Muskeln, während stabilisierende Strukturen ihre Funktion zunehmend verlieren. Die Folge ist eine langsam fortschreitende Fehlstellung, die sich häufig über viele Jahre entwickelt.
Typische Beschwerden
Zu Beginn fallen häufig Druckstellen im Schuh oder Schmerzen am Ballen auf. Mit der Zeit können längere Gehstrecken unangenehm werden, das Abrollen verschlechtert sich und die Kraft des großen Zehs nimmt ab. Viele Betroffene empfinden zudem die sichtbare Veränderung als belastend und vermeiden offenes Schuhwerk.
Für die Behandlung bedeutet das: Entscheidend sind nicht allein Röntgenbilder oder Winkelmessungen, sondern vor allem Schmerzen, Funktion und die individuellen Einschränkungen im Alltag.
Therapie: Nicht jede Fehlstellung muss operiert werden
Konservative Maßnahmen stehen grundsätzlich an erster Stelle. Ziel ist dabei vor allem die Linderung von Beschwerden und die Verbesserung der Funktion. Schuhanpassungen, Orthesen, Zehenspreizer sowie physiotherapeutische Maßnahmen können dabei unterstützen. Die wissenschaftliche Evidenz zeigt jedoch ein differenziertes Bild: Während einzelne Studien positive Ergebnisse berichten, lassen sich diese in hochwertigen Übersichtsarbeiten bislang nur eingeschränkt bestätigen.
Operationen kommen deshalb in erster Linie dann infrage, wenn starke Schmerzen, deutliche Funktionseinschränkungen oder ausbleibende Erfolge der konservativen Therapie vorliegen.
Was Physiotherapeut:innen daraus mitnehmen sollten
Die Behandlung des Hallux valgus erfordert eine individuelle Betrachtung statt pauschaler Lösungen. Beschwerden, Belastbarkeit und persönliche Ziele der Patient:innen stehen im Mittelpunkt. Ein multimodaler Ansatz erscheint derzeit am vielversprechendsten, auch wenn eine vollständige Korrektur der Fehlstellung konservativ nicht gesichert möglich ist.
Wie sieht ein evidenzbasierter Therapieplan konkret aus?
Welche Übungen zeigen die besten Ergebnisse?
Wann sind Zehenspreizer sinnvoll, wann eher nicht – und welche konservativen Maßnahmen werden in aktuellen Leitlinien tatsächlich empfohlen?
Genau diese praxisrelevanten Inhalte sowie die wissenschaftliche Einordnung der Studien findest du in der vollständigen Version dieses Artikels in unserer Academy.
Dein DK Sports & Physio Team aus der Karlsruher Oststadt
Den ausführlichen Artikel findest du in unserer DK Academy.
Wir geben Physiotherapeuten, Trainern und allen Wissbegierigen einen sachlichen Einblick in die Physiotherapie und helfen so die Rehabilitation und das Training nach Verletzungen oder Beschwerden effizienter zu gestalten.
Sichere dir vollen Zugriff auf unsere Rehab Live Sessions, exklusive Review- und Blogartikel, Simple Tipps und Infografiken.

Du benötigst Physiotherapie im Raum Karlsruhe? Dann sind wir gerne für dich da und unterstützen dich!
Dein DK Sports & Physio Team aus der Karlsruher Oststadt
Unsere weiteren Blog-Artikel








[1] Deutschte Assoziation für Fuß- und Sprunggelenk (D.A.F.) der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V., „Hallux Valgus, Version 5.1“. Deutschte Assoziation für Fuß- und Sprunggelenk (D.A.F.) der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V., 17. Juni 2024.
[2] R. H. Hardy und J. C. R. Clapham, „OBSERVATIONS ON HALLUX VALGUS“, J. Bone Joint Surg. Br., Bd. 33-B, Nr. 3, S. 376–391, Aug. 1951, doi: 10.1302/0301-620X.33B3.376.
[3] Y. Cai u. a., „Global prevalence and incidence of hallux valgus: a systematic review and meta‐analysis“, J. Foot Ankle Res., Bd. 16, Nr. 1, S. 63, Jan. 2023, doi: 10.1186/s13047-023-00661-9.
[4] B. Imran, S. Jones, und R. Middleton, „Hallux Valgus Management: An Update Based on National Institute for Health and Care Excellence (NICE) Guidelines“, Cureus, Nov. 2025, doi: 10.7759/cureus.96642.
[5] S. Ettinger, F. T. Spindler, U. Marschall, H. Polzer, C. Stukenborg-Colsman, und S. F. Baumbach, „Hallux valgus: Prevalence and treatment options“, Dtsch. Ärztebl. Int., Mai 2025, doi: 10.3238/arztebl.m2025.0068.
[6] W. Brinjikji u. a., „Systematic Literature Review of Imaging Features of Spinal Degeneration in Asymptomatic Populations“, Am. J. Neuroradiol., Bd. 36, Nr. 4, Art. Nr. 4, Apr. 2015, doi: 10.3174/ajnr.A4173.
[7] J. Ying, Y. Xu, B. István, und F. Ren, „Adjusted Indirect and Mixed Comparisons of Conservative Treatments for Hallux Valgus: A Systematic Review and Network Meta-Analysis“, Int. J. Environ. Res. Public. Health, Bd. 18, Nr. 7, S. 3841, Apr. 2021, doi: 10.3390/ijerph18073841.
[8] W.-L. Zhang, D.-Y. Zhao, W. Zhao, Y. Cui, Q. Li, und Z.-Y. Zhang, „Effect of lentivirus-mediated miR-182 targeting FGF9 on hallux valgus“, Int. J. Med. Sci., Bd. 18, Nr. 4, S. 902–910, 2021, doi: 10.7150/ijms.50984.
[9] R. Sánchez-Gómez u. a., „Heel Height as an Etiology of Hallux Abductus Valgus Development: An electromagnetic Static and Dynamic First Metatarsophalangeal Joint Study“, Sensors, Bd. 19, Nr. 6, S. 1328, März 2019, doi: 10.3390/s19061328.
[10] J. J. Ray u. a., „Hallux Valgus“, Foot Ankle Orthop., Bd. 4, Nr. 2, S. 2473011419838500, Apr. 2019, doi: 10.1177/2473011419838500.
[11] S. E. Nix, B. T. Vicenzino, und M. D. Smith, „Foot pain and functional limitation in healthy adults with hallux valgus: a cross-sectional study“, BMC Musculoskelet. Disord., Bd. 13, Nr. 1, S. 197, Dez. 2012, doi: 10.1186/1471-2474-13-197.
[12] AWMF-Leitlinie, „Hallux valgus“. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF), 23. Mai 2024.
[13] A. J. Meyr u. a., „The American College of Foot and Ankle Surgeons® Clinical Consensus Statement: Hallux Valgus“, J. Foot Ankle Surg., Bd. 61, Nr. 2, S. 369–383, März 2022, doi: 10.1053/j.jfas.2021.08.011.
[14] S. E. Hurn, B. G. Matthews, S. E. Munteanu, und H. B. Menz, „Effectiveness of Nonsurgical Interventions for Hallux Valgus: A Systematic Review and Meta‐Analysis“, Arthritis Care Res., Bd. 74, Nr. 10, S. 1676–1688, Okt. 2022, doi: 10.1002/acr.24603.
[15] G. Colò, M. Leigheb, M. F. Surace, und F. Fusini, „The efficacy of shoes modification and orthotics in hallux valgus deformity: a comprehensive review of literature“, Musculoskelet. Surg., Bd. 108, Nr. 4, S. 395–402, Dez. 2024, doi: 10.1007/s12306-024-00839-9.
[16] J.-H. Choi, „Effects of Kinesio Taping and Stretching on Hallux Valgus Angle and Balance in Female Hallux Valgus Patients“, Res. J. Pharm. Technol., Bd. 10, Nr. 9, S. 2926, 2017, doi: 10.5958/0974-360X.2017.00517.0.
[17] S. A. Abdalbary, „Foot Mobilization and Exercise Program Combined with Toe Separator Improves Outcomes in Women with Moderate Hallux Valgus at 1-Year Follow-up“, J. Am. Podiatr. Med. Assoc., Bd. 108, Nr. 6, S. 478–486, Nov. 2018, doi: 10.7547/17-026.
[18] J. V. Vanore u. a., „Diagnosis and treatment of First Metatarsophalangeal Joint Disorders. Section 1: Hallux valgus“, J. Foot Ankle Surg., Bd. 42, Nr. 3, S. 112–123, Mai 2003, doi: 10.1016/S1067-2516(03)70014-3.
[19] C. G. Dias, A. L. Godoy-Santos, J. Ferrari, M. Ferretti, und M. Lenza, „Surgical interventions for treating hallux valgus and bunions“, Cochrane Database Syst. Rev., Bd. 2024, Nr. 7, Juli 2024, doi: 10.1002/14651858.CD013726.pub2.
[20] J. Rosen und J. Grady, „Neuritic bunion syndrome“, J. Am. Podiatr. Med. Assoc., Bd. 76, Nr. 11, S. 641–644, Nov. 1986, doi: 10.7547/87507315-76-11-641.
[21] A. M. Galica u. a., „Hallux valgus and plantar pressure loading: the Framingham foot study“, J. Foot Ankle Res., Bd. 6, Nr. 1, S. 42, Jan. 2013, doi: 10.1186/1757-1146-6-42.