1. Wer ist von einer Sprunggelenksinstabiliät betroffen und wie ensteht diese?
2. Wie fühlt sich eine Instabilität an und welche Probleme macht sie?
3. Wie man damit umgehen sollte und warum eine Rehabilitation wichtig sein kann
4. Beispielhafte Übungen einer Rehabilitation

1. Wer ist von einer Sprunggelenksinstabilität betroffen und wie entsteht diese?

Obwohl die chronische Instabilität des Sprunggelenks (engl. CAI = chronic ankle instability) häufig vorkommt, ist sie noch immer nicht umfassend erforscht. Man geht davon aus, dass 20 – 40%, die vorher ein „Umknick-Trauma“ (engl. lateral ankle sprain = LAS) erlitten haben, eine Instabilität des Sprunggelenks entwickeln [1].

Das International Ankle Consortium definiert diesen Zustand der Restsymptome nach einer signifikanten Knöchelverstauchung als chronische Sprunggelenksinstabilität (CAI) [2].

Beispielsweise litten 74% der Patienten mit einem akuten seitlichen Sprunggelenkstrauma noch 29 Monate nach dem ersten Trauma unter Restbeschwerden wie Schmerzen, empfundener Instabilität, Schwäche und Schwellung [3]. Die meisten davon waren sportlich aktiv. Allgemein scheinen Sportarten, wie Fussball, Basketball, Hockey, Volleyball, Handball, etc., die durch hohe Intensitäten, Landungen und Richtungswechsel gekennzeichnet werden, eher prädestiniert für das Vorkommen.

Hier fand man 2014 eine Prävalenz der wahrgenommenen Instabilität (28 %), der wiederkehrenden „Knöchelverstauchung“ (50 %) und der anhaltenden Symptome (30-45 %) beim Basketball, Fußball und Volleyball [4].

2. Wie fühlt sich eine Instabilität an und welche Probleme macht sie?

Eine sogenannte chronische Instabilität des Sprunggelenks kann durch folgende Merkmale gekennzeichnet werden [5]:

  • Wiederholte Episoden des Instabilität-Gefühls/Umknickens („Giving way“)
  • Anhaltende Symptome wie Schmerzen, Schwäche oder eingeschränkten Bewegungsumfang des Sprunggelenks
  • Eingeschränkte Funktion und wiederkehrende „Umknick-Mechanismen & Folgen (Bsp. Schwellung)“ 
  • Andauern dieser Merkmale länger als ein Jahr nach der ersten Verletzung

Die Instabilität ist nicht nur ein lokales Problem des Sprunggelenks, sondern kann sich auch systematisch auf andere Gelenke auswirken und weitere körperliche Probleme mitverursachen [5]. Im Bereich des Sprunggelenks zeigen Personen mit CAI einen verringerten Bewegungsumfang, sekundäre Gewebeschäden, eine eingeschränkte Beweglichkeit der Gelenke und Entwicklung von Arthritis [5]. CAI beeinträchtigt systematisch das Gleichgewicht und verschiedene Bewegungsmuster. Sie kann zu Muskelschwäche und veränderten Reflexaktivitäten auf beiden Seiten führen [5]. Auch andere Untersuchungen bestätigen diese möglichen Folgen dieser CAI. Wiederholtes „Umknicken oder Wegknicken“ des Sprunggelenks, zur frühzeitigen Entwicklung von Osteoarthritis und zu einer erhöhten Belastung des vorderen Kreuzbandes werden erwähnt [6, 7, 8].

3. Wie man damit umgehen sollte und warum eine Rehabilitation wichtig sein kann

Die Zugänglichkeit zu einer passenden Rehabilitation kann die Entwicklung einer Instabilität des Sprunggelenks beeinflussen. Die Trainingstherapie zeigte moderate Effekte für die Behandlung und Prävention wiederkehrender Verstauchungen des Sprunggelenks [9]. So kann beispielsweise Propriozeptionstraining das Risiko einer erneuten Knöchelverstauchung bei Teilnehmern mit einer Vorgeschichte von Knöchelverstauchungen um 36 % reduzieren. [10]. Gleichgewichtstraining kann auch die wahrgenommene Instabilität des Sprunggelenks bei Patienten mit einer Instabilität verbessern [11]. Hubbard-Turner fand jedoch heraus, dass 64 % (112/175) der Teilnehmer nach einer Verstauchung des lateralen Sprunggelenks keine ärztliche Hilfe in Anspruch nahmen, und von den 36 % (63/175), die sich behandeln ließen, führten nur 10 % (6/63) ein Gleichgewichtstraining durch [12]. In ähnlicher Weise fanden Schmitt et Al. (2020) heraus, dass 47,6 % der Teilnehmer nach dem ersten seitlichen Umknicken am Sprunggelenk keine Physiotherapie erhielten [13], und Tanen et Al. (2013) stellten fest, dass 45 % der untersuchten Sportler keine medizinische Versorgung in Anspruch nahmen [14].

Es sollte keine externe Unterstützung, einschließlich Bandagen oder Taping als alleinige Maßnahme zur Verbesserung des Gleichgewichts und der Haltungsstabilität bei Personen mit einer chronischen Instabilität des Sprunggelenks eingesetzt werden. Es sollten propriozeptive und neuromuskuläre therapeutische Übungen durchgeführt werden, um die dynamische Haltungsstabilität und die vom Patienten wahrgenommene Stabilität während der Aktivität zu verbessern [15]. Es wurden außerdem Hinweise darauf gefunden, dass die Einbeziehung therapeutischer Übungen in der ersten Woche nach einer Verstauchung des Sprunggelenks im Vergleich zu einer funktionellen Standardintervention zu einer signifikanten Verbesserung der kurzfristigen Sprunggelenksfunktion führte [16].

4. Beispielhafte Übungen einer Rehabilitation

Wie Übungen in einer Reha aussehen können, wird durch die folgenden beispielhaften Übungen inklusive Übungsvideos ersichtlich. Wie im Kapitel zuvor besprochen geht es vor allem darum, die Propriozeption und das Gleichgewicht zu fördern und die Muskulatur zu kräftigen. Das alles sollte so angepasst werden, dass es fordernd ist und die Belastbarkeit tatsächlich steigert, aber immer unter Berücksichtigung von möglichen Symptomen. Zusätzlich dazu sollten die Übungen an die Zielsetzungen und Anforderungen im Alltag bzw. des Sports der jeweiligen Person angepasst werden.

Diese Übungen könnten Teil einer Reha sein:

Quellenangaben:
  1. Doherty, C., Bleakley, C., Hertel, J., Caulfield, B., Ryan, J., & Delahunt, E. (2016). Recovery From a First-Time Lateral Ankle Sprain and the Predictors of Chronic Ankle Instability: A Prospective Cohort Analysis. The American journal of sports medicine, 44(4), 995–1003. https://doi.org/10.1177/0363546516628870
  2. Gribble PA, Delahunt E, Bleakley C, Caulfield B, Docherty C, Fourchet F, et al. Selection criteria for patients with chronic ankle instability in controlled research: a position statement of the International Ankle Consortium. Br J Sports Med. 2014;48(13). https://doi.org/10.1136/bjsports-2013-093175
  3. Anandacoomarasamy A, Barnsley L. Long term outcomes of inversion ankle injuries. Br J Sports Med. 2005;39(3):e14; discussion e. https://doi.org/10.113 6/bjsm.2004.011676
  4. Attenborough AS, Hiller CE, Smith RM, Stuelcken M, Greene A, Sinclair PJ. Chronic ankle instability in sporting populations. Sports Med. 2014;44(11): 1545–56. https://doi.org/10.1007/s40279-014-0218-2
  5. Hertel, J., & Corbett, R. O. (2019). An Updated Model of Chronic Ankle Instability. Journal of athletic training, 54(6), 572–588. https://doi.org/10.4085/1062-6050-344-18
  6. Knowles SB, Marshall SW, Miller T, Spicer R, Bowling JM, Loomis D, et al. Cost of injuries from a prospective cohort study of North Carolina high school athletes. Inj Prev. 2007;13(6):416–21. https://doi.org/10.1136/ip.2006. 014720
  7. Owoeye OBA, Palacios-Derflingher LM, Emery CA. Prevention of ankle sprain injuries in youth soccer and basketball: effectiveness of a neuromuscular training program and examining risk factors. Clin J Sport Med. 2018;28(4): 325–31. https://doi.org/10.1097/Jsm.0000000000000462
  8. Attenborough AS, Hiller CE, Smith RM, Stuelcken M, Greene A, Sinclair PJ. Chronic ankle instability in sporting populations. Sports Med. 2014;44(11): 1545–56. https://doi.org/10.1007/s40279-014-0218-2
  9. Doherty C, Bleakley C, Delahunt E, Holden S. Treatment and prevention of acute and recurrent ankle sprain: an overview of systematic reviews with meta-analysis. Br J Sports Med. 2017;51(2):113–25. https://doi.org/10.1136/ bjsports-2016-096178
  10. Rivera MJ, Winkelmann ZK, Powden CJ, Games KE. Proprioceptive training for the prevention of ankle sprains: an evidence-based review. J Athl Train. 2017;52(11):1065–7. https://doi.org/10.4085/1062-6050-52.11.16
  11. Rozzi SL, Lephart SM, Sterner R, Kuligowski L. Balance training for persons with functionally unstable ankles. J Orthop Sports Phys Ther. 1999;29(8):478– 86. https://doi.org/10.2519/jospt.1999.29.8.478
  12. Hubbard-Turner T. Lack of medical treatment from a medical professional after an ankle sprain. J Athl Train. 2019;54(6):671–5. https://doi.org/10.4085/1 062-6050-428-17
  13. Schmitt M, Marchi J, Jouvion A, Trappier T, Reyes-Rivet L, De Brier G, et al. Prevalence of chronic ankle instability in French paratroopers. Mil Med. 2020;185(3–4):477–85. https://doi.org/10.1093/milmed/usz323
  14. Tanen L, Docherty CL, Van Der Pol B, Simon J, Schrader J. Prevalence of chronic ankle instability in high school and division I athletes. Foot Ankle Spec. 2013;7(1):37–44. https://doi.org/10.1177/1938640013509670
  15. Martin, R. L., Davenport, T. E., Fraser, J. J., Sawdon-Bea, J., Carcia, C. R., Carroll, L. A., Kivlan, B. R., & Carreira, D. (2021). Ankle Stability and Movement Coordination Impairments: Lateral Ankle Ligament Sprains Revision 2021. The Journal of orthopaedic and sports physical therapy, 51(4), CPG1–CPG80. https://doi.org/10.2519/jospt.2021.0302
  16. Bleakley, C. M., O’Connor, S. R., Tully, M. A., Rocke, L. G., Macauley, D. C., Bradbury, I., Keegan, S., & McDonough, S. M. (2010). Effect of accelerated rehabilitation on function after ankle sprain: randomised controlled trial. BMJ (Clinical research ed.), 340, c1964. https://doi.org/10.1136/bmj.c1964
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Ich bin David Kunzmann, Sportphysiotherapeut, Personal-Trainer und Eigentümer eines kleinen Unternehmens. Ich manage und optimiere die Rehabilitation und Leistungsfähigkeit von Leistungssportlern & aktiven Erwachsenen.

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