Unspezifischer Rückenschmerz

Rückenschmerzen sind für viele Menschen besorgniserregend und sie wissen oftmals nicht genau, was sie machen sollen. Im Internet findet man einige verschiedene Aussagen, Empfehlungen und neue spezielle Behandlungen für den unspezifischen Rückenschmerz. Dies kann zu weiterer Unsicherheit führen und die Frage aufwerfen, was genau das „Richtige“ ist. Fast jeder zweite Mensch wird irgendwann im Leben von Rückenschmerzen betroffen sein, denn sie treten zu 40% auf und gehören somit zum Leben dazu wie eine Erkältung, Freude oder Trauer. Sie können Betroffene in ihrem alltäglichen Leben und im Zusammenhang mit der Familie und den sozialen Kontakten einschränken. Sie sind außerdem eine hohe Belastung für das Gesundheitssystem (Manchikanti et al., 2014, Schofield et al., 2015). Athleten können ebenfalls vom unspezifischen Rückenschmerz betroffen sein. Das Vorkommen während des ganzen Lebens bei Athleten variiert zwischen 33% und 84%. Es wurden Unterschiede in der Häufigkeit abhängig von der Sportart gefunden, so sind beispielsweise Fußballer, Skifahrer und Ruderer häufiger betroffen als Golfer und Triathleten (Farahbakhsh et al., 2018).

1. Anatomie 

Die Wirbelsäule besteht aus Wirbeln, Bandscheiben und Bändern, die über viele Gelenke miteinander verbunden sind. Ihre Aufgabe ist nicht nur die Stützfunktion, sondern auch die Beweglichkeit. Man unterscheidet Hals-, Brust-, Lendenwirbelsäule, Kreuzbein und Steißbein. Jeder Abschnitt hat einen etwas andere Anatomie, angepasst an die jeweilige Funktion. Wirbelkörper und Bandscheiben sind verbunden über die starke Endplatten, welche dafür sorgen, dass alles an seinem Platz bleibt. Somit bildet die Wirbelsäule eine robuste und anpassungsfähige Konstruktion (Schünke et al., 2018).

2. Was ist der unspezifische Rückenschmerz?

Rückenschmerzen sind zu etwa 90% unspezifisch, das heißt man kann den Schmerz nicht auf die Schädigung einer bestimmten Struktur zurückführen. Es handelt sich um eine erhöhte lokale Sensibilität des Gewebes, bedingt durch das Zusammenspiel vieler Faktoren. Wie bereits in der Einleitung beschrieben ist der unspezifische Rückenschmerz kein seltenes Phänomen (Hoy et al., 2012, Manchikanti et al., 2014).

 

3. Was bedeutet der unspezifische Rückenschmerz für mich?

In wenigen Fällen ist der Rückenschmerz schwerwiegend, in den meisten Fällen geht er auch ohne medizinische Behandlung innerhalb von sechs bis acht Wochen wieder weg. Die Wahrscheinlichkeit, nach einer Episode wieder Rückenschmerzen zu bekommen, ist erhöht. Was man selbst bei unspezifischen Rückenschmerzen tun sollte, findest du später im Blogbeitrag unter Kapitel 5 “Wie verhalte ich mich richtig?”. Aufgrund des häufigen Vorkommens von Rückenschmerzen erscheint es als sinnvoll herauszufinden, was Ursachen sein können und wie damit umgegangen werden kann. Faktoren, die in Zusammenhang mit Rückenschmerzen stehen können, sind beispielsweise Übungen, die Zufriedenheit bei der Arbeit, Stress, Rauchen und viele andere biologische, psychologische und soziale Faktoren (Riihimaki, 1991, Maher et al., 2017, Manchikanti et al., 2014).

 

4. Was sagt mir das MRT?

In einer Studie wurde ein MRT bei Menschen ohne Rückenschmerz durchgeführt. 52% der Teilnehmer hatten mindestens eine Bandscheibenvorwölbung oder andere Auffälligkeiten. Insgesamt hatten 38% Auffälligkeiten in mehr als einer Bandscheibe (Jensen et al., 1994). In einer ähnlichen Untersuchung wurden Menschen, die noch nie Rückenschmerzen hatten, untersucht. Bei einem Drittel wurde eine Auffälligkeit in der Bildgebung festgestellt. 20% der unter 60jährigen hatten einen Bandscheibenvorfall. Bei der Untersuchung wird deutlich, dass Bandscheibenvorfälle häufig ohne Schmerzen einhergehen, oft merken wir sie gar nicht. Außerdem können sie sich von selbst zurückbilden und heilen. Schlussfolgernd gehen Befunde, die man im MRT der Wirbelsäule sieht, nicht immer einher mit Schmerzen (Jensen et al., 1994, Maher et al., 2017). Ähnliche Ergebnisse wurden auch für andere Körperteile gefunden, beispielsweise für das femoroacetabulare Impingement, von dem du vielleicht schon in unserem letzten Blogbeitrag gelesen hast (Nakashima et al., 2015, American Orthopaedic Society for Sports Medicine, 2010). Es stellt sich also die Frage, ob Bandscheibenveränderungen wirklich eine Ursache für den Schmerz sein können? Der Literatur zu Folge sollte man nicht immer pauschal die Ursache für den Schmerz in strukturellen Veränderungen im MRT suchen.

 

5. Wie verhalte ich mich richtig?

Ausruhen, schonen und nichts tun sind ältere, immer noch gängige Empfehlungen, die man bezogen auf unspezifische Rückenschmerzen liest oder hört. Neuere Untersuchungen zeigen, dass Menschen, die angepasst an den Schmerz aktiv bleiben, bessere Langzeitergebnisse aufweisen. Ähnlich wie bei anderen Verletzungen können Bewegungen zunächst eingeschränkt sein und erst nach und nach wieder besser werden. Jedoch ist es wichtig nicht zu warten bis der Schmerz ganz weg ist bevor Bewegungen wieder durchgeführt werden, sondern eher die Bewegungsmuster dem Schmerz anzupassen und aktiv zu bleiben (Maher et al., 2017).

Bezogen auf die medizinische Behandlung zeigen Schmerzmittel alleine häufig nicht so einen großen Effekt. Es ist zu empfehlen, sie mit Aktivität zu kombinieren. Invasive Verfahren wie Operationen sind nur in seltenen Fällen bei Rückenschmerzen notwendig. Versuche deinen Alltag angepasst an deinen Schmerz weiter fortzuführen. Du darfst auch nach wie vor zu Arbeit gehen und musst dich nicht komplett schonen. Im Gegenteil kann krankschreiben und zuhause bleiben die Erholung verzögern. Du kannst natürlich dein Bewegungsverhalten bei der Arbeit deiner aktuellen Befindlichkeit anpassen, ein Physiotherapeut kann dir bei der Modifikation helfen. Die physische Belastung auf der Arbeit spielt nicht unbedingt eine zentrale Rolle, langes Sitzen beispielsweise kann durch eine Stunde körperliche Aktivität nach der Arbeit ausgeglichen werden und ist nicht pauschal schädlich. Andere Faktoren wie die Zufriedenheit bei der Arbeit, das Verständnis und die Unterstützung von Kollegen und dem Chef und viele mehr haben eher einen Einfluss auf das Schmerzgeschehen und deinen Wiedereinstieg in die Arbeit (Manchikanti et al., 2014, Ho-A-Tham et al., 2021, Shiri et al., 2010, Steffens et al., 2015). 

Unser Körper und so auch unser Rücken sind für Bewegung ausgelegt und passen sich Übungen und neuen Aktivitäten an. Übungen und Bewegungen sind gut für den Rücken, es gibt keine allgemeine Empfehlung für die „Beste“. Wichtig ist, dass sie Spaß macht und man sie auch wirklich durchführt und nicht schnell wieder sein lässt.

 

Einige Beispiele für Bewegung und Aktivität siehst du in folgenden Videos:

Einige Beispiele für die Kräftigung der Rumpfmuskulatur:

6. Wie soll ich damit umgehen?

Oben genannte Faktoren und der Mangel an einer genauen Ursache für deinen Schmerz bedeutet nicht, dass dieser nicht echt ist oder eingebildet ist. Er ist auf jeden Fall real, komplex und von vielen Faktoren abhängig. Deine allgemeine Gesundheit zu verbessern, indem du dir genug Zeit für Regeneration und Schlaf nimmst, dich mit Dingen, die dir Spaß machen zu beschäftigen, deinen Stress bei Arbeit und deinem Umfeld zu reduzieren und dich mit Menschen zu umgeben, die dir gut tun, kann ebenfalls zu deiner Erholung beitragen. Wir unterstützen dich gerne auf deinem Weg. In der Physiotherapie spielt vor allem die Edukation, also das Verständnis für den unspezifischen Rückenschmerz eine bedeutende Rolle inklusive dem Fördern von wohltuender Bewegung und der Modifikation von Bewegungen, die in verschiedenen Momenten noch Beschwerden machen. Außerdem helfen wir dir gerne dabei, zu deiner Alltagsaktivität oder deinem Sport zurückzukommen (Maher et al., 2017, Manchikanti et al., 2014, Shiri et al., 2010, Steffens et al., 2015).

Wir unterstützen dich dabei gerne auf deinem Weg. Dein DK Sports & Physio – Team aus der Karlsruher-Oststadt.

Quellenangaben:
  1. American Orthopaedic Society for Sports Medicine. (2010, March 17). New study finds 70 percent of able-bodied hockey players have abnormal hip and pelvis MRIs. ScienceDaily. Retrieved November 24, 2021 from www.sciencedaily.com/releases/2010/03/100313115328.htm

  2. Farahbakhsh, F., Rostami, M., Noormohammadpour, P., Mehraki Zade, A., Hassanmirazaei, B., Faghih Jouibari, M., Kordi, R. & Kennedy, D. J. (2018). Prevalence of low back pain among athletes: A systematic review. Journal of Back and Musculoskeletal Rehabilitation, 31(5), 901–916. https://doi.org/10.3233/bmr-170941

  3. Ho-A-Tham, N., Ting-A-Kee, B., Struyf, N., Vanlandewijck, Y. & Dankaerts, W. (2021). Low back pain prevalence, beliefs and treatment-seeking behaviour in multi-ethnic Suriname. Rheumatology Advances in Practice, 5(3). https://doi.org/10.1093/rap/rkab074

  4. Hoy, D., Bain, C., Williams, G., March, L., Brooks, P., Blyth, F., Woolf, A., Vos, T. & Buchbinder, R. (2012). A systematic review of the global prevalence of low back pain. Arthritis & Rheumatism, 64(6), 2028–2037. https://doi.org/10.1002/art.34347

  5. Jensen, M. C., Brant-Zawadzki, M. N., Obuchowski, N., Modic, M. T., Malkasian, D. & Ross, J. S. (1994). Magnetic Resonance Imaging of the Lumbar Spine in People without Back Pain. New England Journal of Medicine, 331(2), 69–73. https://doi.org/10.1056/nejm199407143310201

  6. Maher, C., Underwood, M. & Buchbinder, R. (2017). Non-specific low back pain. The Lancet, 389(10070), 736–747. https://doi.org/10.1016/s0140-6736(16)30970-9

  7. Manchikanti, L., Singh, V., Falco, F. J. E., Benyamin, R. M. & Hirsch, J. A. (2014). Epidemiology of Low Back Pain in Adults. Neuromodulation: Technology at the Neural Interface, 17, 3–10. https://doi.org/10.1111/ner.12018

  8. Nakashima, H., Yukawa, Y., Suda, K., Yamagata, M., Ueta, T. & Kato, F. (2015). Abnormal Findings on Magnetic Resonance Images of the Cervical Spines in 1211 Asymptomatic Subjects. Spine, 40(6), 392–398. https://doi.org/10.1097/brs.0000000000000775

  9. Riihimaki, H. (1991). Low-back pain, its origin and risk indicators. Scandinavian Journal of Work, Environment & Health, 17(2), 81–90. https://doi.org/10.5271/sjweh.1728

  10. Schofield, D. J., Callander, E. J., Shrestha, R. N., Passey, M. E., Kelly, S. J. & Percival, R. (2015). Back problems, comorbidities, and their association with wealth. The Spine Journal, 15(1), 34–41. https://doi.org/10.1016/j.spinee.2014.06.018

  11. Schünke, M., Schulte, E. & Schumacher, U. (2018). PROMETHEUS Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem: LernAtlas der Anatomie (5. überarbeitete Aufl.). Thieme.

  12. Shiri, R., Karppinen, J., Leino-Arjas, P., Solovieva, S. & Viikari-Juntura, E. (2010). The Association between Smoking and Low Back Pain: A Meta-analysis. The American Journal of Medicine, 123(1), 87.e7-87.e35. https://doi.org/10.1016/j.amjmed.2009.05.028

  13. Steffens, D., Ferreira, M. L., Latimer, J., Ferreira, P. H., Koes, B. W., Blyth, F., Li, Q. & Maher, C. G. (2015). What Triggers an Episode of Acute Low Back Pain? A Case-Crossover Study. Arthritis Care & Research, 67(3), 403–410. https://doi.org/10.1002/acr.22533

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